Investmentstrategien: Dividendenstrategie einfach erklärt

Du willst wissen, was die Dividendenstrategie ist? Wir erklären es Dir ganz einfach anhand von ein paar Beispielen. Außerdem erklären wir Dir noch, was die Dividendenrendite ist und was es mit den Dividendenaristokrat auf sich hat. Außerdem erläutern wir noch die Vor- und Nachteile der Dividendenstrategie.

Dividendenstrategie

Um die Dividendenstrategie zu erklären, musst Du zunächst verstehen, was eine Dividende ist.

Nehmen wir an, Du hast eine Aktie von Apple erworben. Als Aktionär bist Du dann zunächst Mitbesitzer an der Firma, von der Du die Aktie erworben hast.

Quasi gehört Dir in diesem Beispiel ein kleines Stück vom Apple(Apfel)-Kuchen. Soweit eigentlich ganz einfach.

Da Apple jedes Jahr viele Telefone an zahlreichen Kunden verkauft, fährt Apple, nach Abzug aller Kosten, Jahr für Jahr sattee Gewinne ein.

Dividenden: ausschütten oder reinvestieren?

Apple hat nun zwei Möglichkeiten, etwas mit dem Gewinn zu machen.

  1. Gewinne innerhalb der Firma anlegen

Eine Möglichkeit wäre es, das Geld in die Firma zu zurückführen. Eine Möglichkeit dieser Reinvestition wäre es, die Entwicklung zu erweitern, um neue Services anzubieten oder neue Produkte zu entwickeln. Letztendlich dient die Reinvestition also dazu, den Gewinn der Firma in Zukunft zu steigern. Die zweite Möglichkeit von Apple wäre es, das Geld an die Aktionäre auszuschütten.

  1. Gewinne ausschütten

Da wir als Aktionär Mitbesitzer an der Firma sind, steht uns auch ein Anteil am Überschuss zu, die Dividende.

Wenn Apple sich dazu entscheidet keine Dividende auszuschütten, sondern die Gewinne im Unternehmen zu lassen und zu investieren, steigt der Kurs der Aktie. Dies ist begründet in der Wertsteigerung des Unternehmens. Letztendlich kommt so der Gewinn auch wieder bei den Apple-Aktionären an, ähnlich wie bei der Dividende.

Warum Cola und McDonalds Aristokraten sind

Es gibt zahlreiche Firmen, die ihre Dividenden im Laufe der Jahre immer weiter gesteigert haben. Wenn sie dies über 25 Jahre tun konnten, spricht man von Dividendenaristokraten.

Ein gutes Beispiel für Firmen, die zu den Dividendenaristokraten gehören, sind McDonalds und Coca-Cola.

Dividende der McDonalds Aktie von 1986 bis 2019
Historische Dividende der McDonalds Aktie
Dividende Coca-Cola über die Zeit
Historische Dividende der Coca-Cola Aktie

Zur Verdeutlichung haben wir hier die historische Dividende von McDonalds und Coca-Cola für die Jahre 1986 bis 2019 aufgetragen. Cola zahlt sogar schon seit 1920 eine Dividende und hat diese mit der Auszahlung am 1. April 2020 zum 58. Mal in Folge jährlich erhöht. Interessant, oder nicht?

Die Dividendenrendite

Lass uns nun die beiden Grafiken vergleichen. Was kannst Du daraus schlussfolgern?

Zunächst siehst Du, dass Du bei McDonalds absolut gesehen mehr Dividende erhälst, als bei Coca-Cola.

Jedoch musst Du, um die beiden Firmen direkt zu vergleichen, sie immer in das Verhältnis zum jeweiligen Aktienpreis setzen. Dieses Verhältnis wird Dividendenrendite genannt:

Dividendenrendite=(Dividende/Aktienkurs)*100.

Manche Anleger investieren hauptsächlich in Aktien mit hoher Dividendenrendite, also in Aktien bei denen, vereinfacht gesagt, das Verhältnis von Dividende und aktuellem Aktienkurs hoch ist.

Auf ihr investiertes Kapital erhalten sie so eine prozentuale Rendite. Investoren, die diese Strategie verfolgen, investieren nach einer Dividendenstrategie.

Sie meiden Werte mit niedriger Dividende und suchen vor allem nach Hochdividenden-Aktien.

Dividendenrendite Coca-Cola und McDonalds
Dividendenrendite von Coca-Cola und McDonalds im Vergleich

Beim Vergleich der historischen Dividendenrendite der beiden Aristokraten wird klar, dass vom Renditeaspekt her gesehen, der Brausehersteller dem Burgerhaus hervorzuziehen wäre.

Es lässt sich jedoch nicht daraus schließen, dass generell das eine Unternehmen dem anderen vorzuziehen ist.

Nachteile der Dividendenstrategie

Eigentlich hört sich das alles ganz positiv an. Jedoch muss für uns Anleger eine hohe Dividende jedoch nicht unbedingt Vorteilhaft sein. Das hat mehrere Gründe.

Wenn das Geld in der Firma bleibt, müssen wir uns als Aktionäre nicht um das erneute Investieren des Kapitals kümmern, das Geld ist ja bereits angelegt. Zudem entsteht so über die Jahre ein Zinseszinseffekt. Das Geld bleibt im Unternehmen und wirft dort wieder neue Erträge ab. Im nächsten Jahr werfen die Erträge wiederum neue Erträge ab und so weiter. Wie groß dieser Effekt ist, wird sichtbar wenn, man den DAX-Kursindex dem DAX-Perfomanceindex gegenüberstellt.

1. Trugschluss der Dividendenstrategie

In Deutschland ist der Deutsche-Aktienindex (DAX) der bedeutendste Index. Er bildet die Wertentwicklung der dreißig größten Unternehmen ab, quasi wird die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen auf eine Zahl zusammengefasst. Was man wissen muss, ist, dass im DAX-Perfomanceindex die Dividende und deren Wiederanlage mit eingerechnet werden. Beim DAX-Kursindex werden die Ausschüttungen nicht berücksichtigt, er zeigt nur die Kursentwicklung. Vergleicht man die Entwicklung der beiden Indizes, wird der Zinseszinseffekt deutlich. Im ausgewählten Zeitraum weißt der Kursindex einen Zugewinn von knapp 40 % auf, sind es beim Performanceindex knapp 70 %.

DAX-Kursindex und DAX-Performanceindex
DAX-Kursindex vs. DAX-Performanceindex

2. Trugschluss der Dividendenstrategie

Ein weiteres Problem mit den regelmäßigen Zahlungen ist der steuerliche Aspekt.

Wenn wir die Steuerfreigrenze (Freibetrag) überschritten haben, müssen wir auf die Dividende Abgeltungssteuer zahlen. Wenn das Geld jedoch in der Firma verbleibt, entsteht ein gewisser Steuerstundungseffekt. Das heißt, dass auf das Geld, das in der Firma steckt, keine Steuern gezahlt werden müssen, wohingegen bei einer Ausschüttung vielleicht Steuern fällig werden.

Dadurch ist die Zahlung der Steuer so lange aufgeschoben, bis wir die Aktie, hoffentlich mit sattem Kursgewinn, wieder verkaufen.

3. Trugschluss der Dividendenstrategie

Ist die Dividende ein passives Einkommen?

Die Dividendenstrategie wird von vielen Anlegern verfolgt, u. a. da sie einen permanenten Geldeingang (passives Einkommen) auf dem Depot erzeugt. Der Geldeingang tröstet über mögliche Kursverluste hinweg und sorgt für eine gewisse Beruhigung der Anleger. Möglicherweise hält sie auch die Motivation der Anleger höher und motiviert sie dazu, mehr Geld zu investieren, da man ja eine direkte Belohnung enthält.

Jedoch vergessen die meisten Anleger, dass das Geld, welches sie als Dividende erhalten, ja irgendwo her kommen muss. Es kommt aus der Firma, in die sie investiert haben und senkt deren Wert. Die direkte Folge der Dividendenzahlung ist eine Verringerung des Aktienkurses. Dass Anleger Dividenden eher als Geschenk anstatt als eine Verminderung ihres Depots wahrnehmen, wurde wissenschaftlich schon 1983 von Shefrin und Statman bewiesen.

Die Dividende ist nicht garantiert!

Weiterhin vergessen viele Anleger, dass die Dividendenzahlungen nicht garantiert sind.

Die Höhe der Dividende wird an der Hauptversammlung beschlossen. Als Aktionär kann man, je nach Aktientyp und Anzahl der Aktien, an der Abstimmung teilnehmen. Sollte die Firma in Schieflage geraten, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Hauptversammlung beschlossen, dass die Dividende zu reduzieren ist. Es mag zwar höchst unwahrscheinlich sein, dass so ein Szenario eintritt, die Möglichkeit besteht jedoch immer.

Der Kauf von Hochdividenden-Aktien bzw. die Umsetzung einer Dividendenstrategie kann auch dazu führen, dass man sein Portfolio zu sehr auf einzelne Aktien konzentriert. Anstatt einer Verteilung des Kapitals auf viele Aktien (Diversifikation) werden einzelne Aktien händisch ausgewählt (Stock-Picking). Dies kann möglicherweise dazu führen, dass man schlechter als der Gesamtmarkt abschließt. Weiterhin werden, bedingt durch die Umsetzung der Strategie, viele (kleinere) Unternehmen, die vielleicht noch nicht so lange am Markt sind oder keine Dividende zahlen, außer vor gelassen. Jedoch sind gerade vielleicht diese Unternehmen sehr renditestark. Anleger die übrigens nicht selbst nach den Aktien mit den besten Dividendenausschüttung suchen wollen, können auch einen börsengehandelten Indexfond (ETF) kaufen. Die Problematik der Diversifikation wird damit zumindest umgangen.

Vor- und Nachteile

Zusammenfassend sind die Vorteile der Dividendenstrategie:

  • die (hoffentlich) stetige Auszahlung der Dividende und das daraus resultierende passive Einkommen
  • die höhere Motivation und Beruhigung der Anleger bedingt durch den Geldstrom.

Auf der anderen Seite gibt es diverse Nachteile:

  • keine Steuerstundung aufgrund der Auszahlung der Dividende
  • Reinvestition des ausgezahlten Geldes kostet wieder Gebühren
  • die geringe Diversifikation / Stock-Picking
  • die Unsicherheit der Dividende.