Dividendenstrategie in Gefahr: Shell Dividende um 66 % gekürzt!

Ben van Beurden, der CEO des britisch-niederländische Energieriesen Royal Dutch Shell, kündigte auf der Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen des ersten Quartals 2020 historisches an. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg reduziert Shell die Dividende. Wurden in Q1 2019 noch 0,47 Dollar je Aktie an die Aktionäre ausgeschüttet, erhalten sie für das Vergangene nur noch eine Quartalsdividende von 0,16 Dollar pro Aktie. Folglich wurde die Shell Dividende um 66 % gekürzt. Dieser Schritt ist für Anhänger der Dividendenstrategie ein herber Schlag. Bisher katapultierte die Aktie die Anleger regelrecht in den Dividenden-Olymp. Doch was ist passiert? Warum hat sich Shell sich zu diesem drastischen Schritt entschlossen?

Shell ist der Verfall des Ölpreises zum Verhängnis geworden. Aufgrund der niedrigen Preise wies der Konzern einen Verlust von 24 Millionen Dollar in Quartal eins aus. Im Vorjahresquartal hatte man noch einen Gewinn von sechs Milliarden Dollar eingefahren. Auch der Ausblick auf das zweite Quartal dürfte weniger gut ausfallen. Die Corona-Pandemie, deren Ausbreitung im März erst richtig fahrt aufgenommen hat, dürfte sich mittelfristig weiter ausbreiten. Für Shell sind die Folgen immens und die Gewinne dürften erst wider sprudeln, wenn sich die Lage normalisiert hat.

Shell: Dividende in Gefahr?

Im Zuge der Ankündigungen rutschte auch der Aktienkurs ab. Zwar hatten die Aktionäre schon eingepreist, dass die Gewinne sinken werden und in folge dessen ist der Kurs unter Druck geraten. Jedoch hatten die meisten wohl nicht damit gerechnet, dass die Dividende so drastisch gekürzt wird.

Ein Blick in die Bilanz verrät, dass dieser Schritt möglicherweise sinnvoll war. Betrachtet man den Umsatz des Ölkonzerns, wird ersichtlich, dass dieser zuletzt auf 60 Mrd. Dollar gefallen ist. Historisch gesehen ist der Umsatz damit weit entfernt vom vierten Quartal 2018, jedoch immer noch auf einem passablen Niveau, wie der Vergleich mit Q1 2017 zeigt.

Historischer Umsatz von Royal Dutch Shell

Deutlicher wird das Bild, wenn man sich die bilanzierten Einnahmen vor Steuern anschaut. Der Konzern wies für das erste Quartal des vergangenen Jahres noch über 9 Mrd. Einnahmen aus. Ein Jahr später sind es nur noch 600 Mio.. Ein dramatischer Einbruch. Jedoch ist es plausibel, dass aufgrund des Einbruchs, die Dividende der Shell Aktie gekürzt wird. Wie geht es jetzt weiter?

In einer solchen Situation ist es wichtig, dass man Finanzreserven zur Verfügung hat – es gilt das Motto “Cash is King”. Shell hat genau das und weißt in der Bilanz knapp 22 Mrd. Dollar aus. Vermutlich hätte Shell die Dividende auch weiterzahlen können, was ein Abschmelzen der Reserven zur Folge gehabt hätte. Jedoch hat sich das Management dagegen entschlossen. Ich bin der Meinung, dass das die richtige Entscheidung war. Wer weiß, wofür das Geld noch in Zukunft noch gebraucht werden kann.

Shell Aktie: wie geht es weiter?

Dass Shell trotzdem die Dividende gekürzt hat, hat die Masse der Marktteilnehmer wahrscheinlich überrascht. Dies würde den aktuellen Rückgang des Aktienkurses erklären. Interessant ist, dass Shells direkter Konkurrent BP, entgegen der Krisensituation, die Quartalsdividende sogar um 2,4 % erhöht. Shell könnte das zwar auch tun und die Dividende mit den Finanzmitteln bezahlen. Irgendwoher muss das Geld für Forschung und Entwicklung aber auch kommen. BP wird mehr Geld sparen und weniger investieren. Dieser Schritt könnte sich irgendwann rächen.

Historische Dividende der Shell Aktie

Aus Sicht des Unternehmens ist die Kürzung der Dividende meiner Meinung nach sinnvoll. Schaut man sich mal die Dividendenhistorie der Aktie an, wird deutlich, dass Shell in der Vergangenheit immer auf einem hohen Dividendenniveau war. Sollte die Krise durchgestanden sein, sollte auch die Dividende diese Stände wieder erreichen. Aktuell sollte sich für langfristig orientierte Anleger eine gute Einstiegsmöglichkeit bieten.