Finanzielle Freiheit

Finanzielle Freiheit durch Dividenden? Ein (Aktien)-Traum.

Finanzielle Freiheit. Viele wollen sie erreichen, für viele bleibt sie ein Traum. Der Begriff „finanzielle Freiheit” suggeriert eine gewisse Leichtigkeit, regt zum Träumen an und weckt vielleicht die Erinnerungen an den letzten Urlaub unter Palmen. Den ganzen Tag kann man Cocktails schlürfen und die Sonne genießen, die finanzielle Freiheit vorausgesetzt. Das Leben könnte doch so schön sein, müsste man nicht für sein Geld arbeiten und wäre man doch nur finanziell frei. Doch wie gelange ich jetzt nur zur finanziellen Freiheit? Und wo ist die Abkürzung?

Etappen auf dem Weg in die finanzielle Freiheit

Das Grundkonzept hinter ihr ist zumeist ähnlich: Abhängigkeiten reduzieren und das finanzielle Risiko minimieren. Unfreiheiten könnten der Arbeitgeber, die Eltern oder der Partner/die Partnerin sein. Sollte diese Einkommensquelle versiegen, steht man vor dem nichts. Abhilfe schafft ein prall gefülltes Konto. Damit wird es möglich, finanzielle Durststrecken zu überbrücken. Dieser Weg zum vollen Konto wird meistens begleitet von verschiedenen Weg- und Lebensabschnitte.

Mit sechs Stufen ins Finanz-Paradies

Wer noch jung ist, lebt zumeist in vollständiger finanzieller Abhängigkeit. Im Hotel Mama ist man vom Taschengeld abhängig und darf vielleicht noch gar nicht für sein Geld arbeiten. Wer das elterliche Nest jedoch hinter sich gelassen hat, verdient im nächsten Schritt sein erstes Gehalt. Das Einkommen ist noch gering und deckt vielleicht gerade so die monatlichen Kosten. Diese Phase der ersten Unabhängigkeit wird meistens beendet durch das Abschließen der Ausbildung oder das Beenden des Studiums. Anschließend auf die erste Unabhängigkeit folgt als nächstes die Phase der finanziellen Unabhängigkeit.

Auf der nächsten Etappe ist man schon in der Lage, sich die ersten Spielräume und Freiheiten zu schaffen. Dies kann ein Urlaub sein oder gewisse Anschaffungen für das Hobby sein. Im Gegensatz zu den Etappen davor, deckt nun die eigenständige Arbeit die Ausgaben komplett. Jedoch bleiben viele auf dieser Etappe stehen, da sie schon recht komfortabel ist. Schließlich hat man ja ein sicheres Einkommen und keinerlei finanziellen Probleme. Und auch die Freizeitgestaltung ist ohne Komplikationen möglich. Wozu also etwas ändern? Die Rente ist doch sicher!

Die letzten drei Etappen sind die Schwierigsten

Wer es dann auf die nächste Stufe schaffen will, braucht neben dem Willen auch die finanziellen Spielräume. Derjenige, der nämlich die vierte Etappe auf dem Weg in Richtung Finanz-Paradies nehmen will, muss sich Gedanken über die negativ behafteten Themen Vermögensaufbau und Geldanlage machen. Zwar wird der Lebensunterhalt weiterhin durch die Arbeit finanziert, im Hintergrund wächst jedoch stetig ein kleines Vermögen an. Weiterhin ist die Richtung klar – Börsenexperten würde diese vermutlich mit einem “long auf Vermögensaufbau” bezeichnen. Abgeschlossen wird die Phase der finanziellen Spielräume spätestens, wenn genügend Rücklagen vorhanden sind, um kurzzeitig in finanzieller Freiheit zu sein.

Kurz vor dem Ziel besitzt man dann schon so viel Kapital, dass man eine gewisse Zeit von den Rücklagen leben kann. Viele haben auf dieser Stufe schon ein beträchtliches Vermögen aufgebaut, welches beispielsweise in Aktien oder Immobilien investiert ist. Auch ist das passive Einkommen aus dem investierten Kapital schon so groß, dass man über eine Reduktion der Arbeitszeit nachdenken kann. Im Spiel um die finanzielle Freiheit muss man jetzt nur noch den Endgegner besiegen und der heißt absolute finanzielle Freiheit.

Wer es also auf die letzte Stufe schaffen will, hat so viel Kapital, dass er nie mehr arbeiten gehen muss. Arbeit wird dann quasi zur Freizeitgestaltung, man kann sich ja aussuchen, was man macht. Die absolute finanzielle Freiheit ist erreicht, wenn man so viel Einkommen aus unabhängiger Beschäftigung hat, dass der Lebensunterhalt vollständig von den passiven Einkünften bezahlt wird.

Wie entkomme ich den nun dem Hamsterrad?

Die Frage ist eigentlich einfach zu beantworten. Entweder man arbeitet, spart anschließend sein Geld und legt es gewinnbringend an. Dann ist eigentlich nur die Zeit der limitierende Faktor. Oder man versucht sich beim Lotto. Für die meisten dürfte die erste Option wahrscheinlich der bessere und schnellere Weg sein.

Normalerweise würden hier jetzt Spartipps kommen. Oder Tipps zur Geldanlage. Vielleicht auch irgendetwas mit ETFs und Aktien. Ich möchte jedoch etwas mehr Realität in die Überlegungen bringen. Für viele ist nämlich die finanzielle Freiheit so etwas wie das absolute Ziel. Dieses Ziel ist alternativlos, kleinere Ziele werden nicht akzeptiert. Einen Urlaub pro Jahr, der durch die Dividendeneinnahmen gedeckt wird? Unakzeptabel. Das Ziel ist gleich der Mount Everest, anstatt sich zunächst auf die Zugspitze zu fokussieren.

Weiterhin bleibt für viele die finanzielle Freiheit wahrscheinlich unerreichbar. Es gibt natürlich Ausnahmen. Wer beispielsweise ein DINK-Paar (Double Income No Kids) ist und sich das Ziel setzt, der kann es schaffen. Ärtze verdienen auch nicht so schlecht, dass sie es nicht schaffen könnten. Außerdem ist es nicht falsch, derartige Überlegungen zu tätigen. Eher sogar bewundernswert, wenn man sich in diese Richtung entwickeln will. Jedoch ist vielen nicht klar, dass sie es auf herkömmlichen Weg wahrscheinlich nicht erreichen werden. Klar wird das, wenn man sich folgende Beispielrechung anschaut.

Beispielrechnung zur finanziellen Freiheit

Wir sind beispielsweise 27 Jahre alt. Wir haben letztes Jahr das Studium erfolgreich abgeschlossen und waren danach ein Jahr auf Weltreise. In diesem Jahr starten wir durch in unserem Beruf. Da wir noch ein bisschen Geld vom Studium übrig haben, beträgt unsere Startbilanz 5000 €. Monatlich schaffen wir es, 1000 € zurückzulegen. Unsere zurückgelegtes Geld legen wir zu 8 % über 40 Jahre an. Mit Renteneintritt haben wir knapp 3,6 Millionen Euro und sind absolut finanziell frei. Steuern und eine mögliche Inflation vernachlässigen wir an der Stelle.

Beispielrechnung zur finanziellen Freiheit.

Zum einen muss sich jetzt jeder Fragen, ob er sich der Konsequenz dessen bewusst ist? Konsumverzicht in jeder Situation ist nämlich die Konsequenz. Gedanken wie “Schatz, darf ich dich heute Abend zum essen einladen?” müssen schon im Keim erstickt werden. Konsumverzicht steht im Vordergrund und bestimmt den Alltag. Alles muss dem Ziel unterworfen werden. Ein (Arbeits-)Leben lang.

Die wenigsten werden es zudem schaffen, über 40 Jahre den dafür notwendigen Lebensstil aufrecht zu erhalten. Sie erliegen einem Trugschluss. Sie werden geblendet durch die Strahlkraft der finanziellen Freiheit, anstatt die Sache rational zu durchdenken. Papier ist beziehungsweise Websites sind geduldig. Die Realität hingegen sieht anders aus.

Wer wird wirklich finanziell frei?

Finanziell frei werden so wahrscheinlich die wenigsten. Klar, vielleicht schaffen es ein paar. Für die Mehrheit ist dieser Weg jedoch nichts. Gerade im Internet wird dieser Weg jedoch von vielen propagiert. Die meisten werden dem Glauben schenken, ein Depot eröffnen und mit dem investieren beginnen. Daran ist nichts falsch. Wirklich finanziell frei werden so aber nur die, die darüber berichten. Ähnlich wie im Goldrausch 1849. Damals wurden diejenigen reich, die den Goldgräbern die Schaufeln und Spitzhacken verkauft haben.

Meiner Meinung wird wirklich finanziell frei, wer bereit ist ein Quäntchen mehr als der Durchschnitt zu leisten. Beispielsweise der Angestellte, der nebenbei noch ein Gewerbe betreibt. Oder der Arzt, der am Wochenende Zusatzschichten leistet. Am Ende wir nur der finanziell frei, der sich aus der Passivität löst und aktiv neue Einkommensströme erschließt – oder eben der Websitebetreiber, der über die finanzielle Freiheit schreibt.