Anlegen wie der norwegische Staatsfonds

Investieren wie der norwegische Staatsfonds: macht (schlau-)anlegen glücklich?

Macht (schlau-)anlegen beziehungsweise Geld vielleicht doch glücklich? Die Norweger zählen zu den glücklichsten Nation der Welt. Im World Happiness Report 2017, dem “Welt-Glücks-Bericht”, belegte das skandinavische Land den ersten Platz. Im Bericht für das Jahr 2020 sind sie zwar auf Position 6. zurückgefallen, rangieren damit aber immer noch auf den vorderen Plätzen. Verantwortlich für das Glück könnte der norwegische Staatsfonds sein. Denn seit 1998 investiert dieser Fonds Geld für die Bürger Norwegens. Pro Norweger sind so knapp 175 000 € investiert. Damit ist jeder Norweger quasi, in norwegischen Kronen gerechnet, fast zweifacher Millionär. So gesehen, macht Geld vielleicht glücklich. Zumindest, wenn man die Norweger betrachtet. Doch wie kann ich investieren, wie der norwegische Staatsfonds beziehungsweise wie investiert der Fonds überhaupt? Warum gibt es den Fonds? Und was können die Privatanleger davon lernen?

Der Fonds im Portrait

Der Reichtum Norwegens kam mit dem Öl- und Gas-Geschäft. Jedoch weiß keiner, wie lange das schwarze Gold noch fließt beziehungsweise wie lange man damit noch so viel Geld verdienen kann. Darum entschied man sich, die Einnahmen für zukünftige Generationen zu sichern. Der Fonds hat aktuelle ein Volumen von über 932 Mrd. Euro, eine unglaubliche Menge an Geld.

Das eigentlich Interessante am Fonds ist, dass er seit seiner Auflage im Jahr 1998 den deutschen Leitindex DAX von der Performance geschlagen hat. Gleichzeitig ist jedoch das Risiko beim norwegischen Staatsfonds geringer. Zieht man den Vergleich zum DAX weiter, wird auch die Größe des Fonds ersichtlich. Während im DAX nur die dreißig größten Unternehmen Deutschlands sind, ist der norwegische Fonds in über 9000 Unternehmen aus 74 Ländern investiert. Von der Größe sind die beiden in etwa identisch. Der DAX kommt auf eine Marktkapitalisierung von ca. 1 Brd. Euro, der norwegische Staatsfonds auf 932 Mrd. Euro, wie oben erwähnt.

Seine Investitionen gliedert der Fonds in drei Bereiche auf. Der Großteil, mit 66,3 Prozent, werden in Aktien investiert. Um den Fonds Stabilität zu verleihen, hält er zu 30,7 Prozent Anleihen. Der Rest, ganze drei Prozent, werden in nicht börsennotierte Immobilien angelegt. Ein prominentes Beispiel für den Immobilienbesitz des Fonds ist das Axel-Springer-Hochhauses in Berlin, es ist seit 2017 im Bestand. Doch nicht nur deutsche Immobilien sind für den Fonds interessant, sondern auch deutsche Aktien. Große Positionen hält er zum Beispiel an der Deutsche Wohnen (9,12 %), der Vonovia (8,72 %) und an Lanxess (4,66 %). Neben Deutschland gibt es selbstverständlich viele Internationale Beteiligungen.

So kannst Du investieren wie der norwegische Staatsfonds

Zu investieren wie der norwegische Staatsfonds ist für den Privatanleger nicht ganz einfach. Der Fonds ist sehr breit diversifiziert, sodass eine exakte Nachbildung schwer ist. Um den Aktienteil des Portfolios nachzubilden, wäre der SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF vielleicht eine Option. Im Referenzindex des ETFs sind ca. 9000 Unternehmen aus 45 Ländern vertreten. Den risikoarmen Teil des Portfolios kann dann durch Euro-Staatsanleihen-ETFs nachgebildet werden. Eine andere Option für den risikoarmen Teil wäre ein Tagesgeldkonto bei der Hausbank, sofern das Limit der Einlagensicherung nicht überschritten wird.

Ein Alternativvorschlag für die oben genannten Strategie mit nur einem ETF wäre das ETF-Portfolio von extraETF. Insgesamt bildet es den norwegischen Staatsfonds mit zehn Positionen nach. Die genauere Nachbildung wird jedoch mit einem erhöhten Verwaltungsaufwand erkauft. Schließlich muss man sich dann auch um die Neugewichtung beziehungsweise Ausbalancierung kümmern.

Das kannst Du vom norwegischen Staatsfonds lernen

Selbst wenn man nicht genau so investieren will wie die Norweger, lässt sich dennoch einiges von ihnen lernen. Der erste Aspekt ist die Weitsichtigkeit. Der norwegische Fonds ist für die Zukunft gemacht. Kurzfristige Trades oder gar Spekulationen sind ein No-Go. Außerdem betreibt der Fonds kein Market-Timing. Somit warten die Norweger nie auf günstige Kurse, sondern sie investieren sobald das Geld vorhanden ist. Viele Privatanleger leider dahingegen unter Selbstüberschätzung. Sie machen den Fehler und denken, dass sie den Markt schlagen können. Genau das Gegenteil wird der Fall sein. Privatanleger können dem entgegenwirken, indem sie sich einen Sparplan auf den ETF einrichten. Der Sparplan sorgt dafür, dass das Geld kontinuierlich investiert wird und kein Market-Timing betrieben wird.

Der zweite Lernaspekt betrifft die Punkte Nachhaltigkeit und Ethik. Die Norweger haben strenge Richtlinien, unter welchen Kriterien genau das Geld investiert wird. So hielt Fonds hielt früher Positionen von Firmen, die Massenvernichtungswaffen herstellen oder gegen die Menschenrechte verstoßen. Diese Anteile wurden mit der Zeit jedoch veräußert. Auch waren die Norweger beim Thema Nachhaltigkeit ein Pionier. Schon früh deinvestierte der Fonds seine Beteiligung an Firmen, die ein Teil ihres Gelds mit Kohleenergie erzeugen. Die durchschnittliche Rendite von mehr als 6 Prozent pro Jahr kann sich trotzdem sehen lassen. Auch von diesem Aspekt her können die Privatanleger also etwas von den Norwegern lernen.

Der letzte Aspekt betrifft den Aktienanteil und die Zusammensetzung des norwegischen Depots. Zu etwa zwei Dritteln wird in Aktien investiert. Ein Drittel ist der risikoarme Teil des Portfolios. Ein kleiner Teil vom Gesamtportfolio besteht aus Immobilien. Das ist eine Zusammensetzung, die Privatanleger als Richtschnur dienen kann.

Fazit: Du kannst investieren wie der norwegische Staatsfonds

Du kannst so investieren wie der norwegische Staatsfonds! Eine ETF-Strategie macht es möglich. Für welche der beiden Möglichkeiten man sich entscheidet, muss jeder für sich selbst abwägen. Viel wichtiger ist jedoch, dass man einiges von Skandinaviern lernen kann. Diese Anregungen kann jeder in sein Depot einbauen. Ob dich das norwegische Investment jedoch am Ende auch so glücklich macht, wie die Norweger, wagen wir zu bezweifeln.