MSCI Index Einteilung

MSCI World Vergleich: die Empfehlung für 2020

Einleitung

Wir schreiben das Jahr 1969. Die Menschheit sitzt gebannt vor dem Schwarz-Weiß-Fernseher als Neil Armstrong und Buzz Aldrin in die Geschichte eingehen. Sie betreten in diesem Jahr als erste Menschen den Mond. Die Amerikaner gewinnen den Wettlauf gegen die Sowjets und legen damit den Grundstein für das Apollo-Programm. Im gleichen Jahr wir der MSCI World geboren.

Genauer gesagt startet der Aktienindex am 31. Dezember 1969 mit einem Basiswert von 100 Punkten. Bis zum heutigen Zeitpunkt hat sich der Index zu einem Basisinvestment für viele Anleger entwickelt und zur Erfolgsgeschichte der Indizes beigetragen. Noch heute, über 50 Jahre später, gilt er als wichtigster Aktienindex und hat an Relevanz nicht verloren.

Doch was ist der MSCI World Index überhaupt? Welche Länder sind in ihm vertreten? Welche Welt-Aktienindizes gibt es sonst noch?
In diesem Beitrag will ich nicht eine Antwort auf die Fragen liefern, sondern auch ein bisschen über den Tellerrand blicken. Ich will zeigen, welche Ländern in ihm vertreten sind, welche Vor- und Nachteile es möglicherweise gibt und ob und warum sich ein Investment in den Index lohnt.

Was ist der MSCI World Index?

Der Morgan Stanley Capital International (MSCI) World ist ein Aktienindex. Den in Deutschland bekanntesten Index, den Deutschen Aktienindex (DAX), dürfte vielen ein Begriff sein. Ein Aktienindex ist zunächst eine Kennzahl, der die Entwicklung der darin befindlichen Aktienkurse widerspiegelt. Im DAX sind, wie es der Name sagt, nur deutsche Werte. Folglich wird durch den DAX auch nur die Stimmung am deutschen Aktienmarkt reflektiert. Weitet man das Konzept jedoch noch auf weitere Industrieländer außerhalb von Deutschland aus, erhält man einen breiteren Index. Im MSCI World sind insgesamt über 1600 Aktien aus 23 Industrienationen vertreten.

Wie sich dieser Index seit der Auflegung entwickelt hat, zeigt die folgende Grafik. Zu beachten ist die logarithmische Skalierung, d. h. auf der Achse mit den Schlusskursen verdoppeln sich die Werte immer von einem Punkt zum nächsten. Der Index ist in dieser Darstellung eine Art Zeitspiegel der Geschichte. Deutlich zu erkennen ist das Platzen der Blase auf dem Technologiesektor (März 2000) und die Finanzkrise (2008/2009). Nach jeder Krise ist aber auch zu sehen, dass sich der Index von wieder recht schnell erholt hat.

Seit Auferlegung bis zum Schlusskurs von 2358.46 Zählern am 31.12.2019 hat der Index folglich eine Steigerung von über 2350 % erzielt. Darin sind die gezahlten Dividenden noch nicht eingerechnet.

Historische Performance des MSCI World
Historische Entwicklung des MSCI World von 1969-2019

Welche Länder umfasst der MSCI World?

Der US-amerikanische Finanzdienstleister MSCI gibt den MSCI World heraus und ist für die Zusammensetzung verantwortlich. Im MSCI World sind nur große und mittelgroße Unternehmen aus Staaten enthalten, die MSCI als entwickelte Länder einstuft. Denn im Wesentlichen unterscheidet MSCI zwischen drei Kategorien: den Industrieländern („Developed Markets”), den Schwellenländer („Emerging Markets”) und den Entwicklungsländern („Frontiermarkets“).

Die Frontiermarkets sind im Prinzip Schwellenländer aus der zweiten Reihe. Meist sind diese Märkte für Anleger schwer zugänglich und oft eben weniger entwickelt als die Schwellenländer. Zu den entwickelten Ländern zählt MSCI z. B. die USA oder Japan. Länder wie China oder Brasilien gehören zu den Emerging Markets und sind damit nicht im MSCI World enthalten.

Innerhalb der drei Märkte (Industrieländern, Schwellenländer und Entwicklungsländern) unterscheidet MSCI zwischen großen Unternehmen („Large Caps”), den mittelständischen Unternehmen („Mid Caps”) und den Kleinunternehmen („Small Caps”). Wer also ausschließlich in große Unternehmen von Industrieländern investieren will, ist beim MSCI World an der richtigen Adresse.

MSCI Index Einteilung
Einteilung des MSCI World nach Marktkapitalisierung

Doch wie gewichtet MSCI die Länder innerhalb eines Index? Dies geschieht anhand der Marktkapitalisierung. Sie ist nichts anderes als die Summe aller Börsenwerte innerhalb eines Landes. Würde man also alle Aktien, die in sich in Deutschland im Umlauf befinden, zusammenzählen, würde man die Marktkapitalisierung von Deutschland erhalten. MSCI macht genau das für jedes Land im Index und gewichtet entsprechend der Größe (Marktkapitalisierung).

Large Caps machen schon 65 bis 75 % der Marktkapitalisierung eines Landes aus. Mittelständler bilden die nächste Stufe und umfassen die nächsten 5 bis 25 %. Will man eine Marktabdeckung von etwa 99 % erreichen, muss man zusätzlich noch die Kleinunternehmen in den Index mit aufnehmen. Ihr Anteil an der Marktkapitalisierung eins Landes beträgt etwa 10 bis 20 %. Der von MSCI herausgegebene MSCI Investable Market-Indizes (IMI) tut genau das und erreicht so eine Marktabdeckung von etwa 99 Prozent.

Die Grafik verdeutlicht noch mal bereits genannte. Wer z. B. nur in Schwellenländer investieren will und dabei eine möglichst hohe Marktabdeckung für wichtig hält, ist beim MSCI EM IMI goldrichtig.

Wie bereits erwähnt, werden die Länder im MSCI World nach Marktkapitalisierung gewichtet. Da viele der größten und wertvollsten Unternehmen der Welt ihren Sitz in den USA haben, hat die USA einen entsprechend großen Anteil am Index.

Aufteilung des MSCI World nach Ländern
Zusammensetzung des MSCI World nach Ländern, Stand: 31.03.2020

So kommen immerhin 14 der 20 der nach Marktkapitalisierung größten Unternehmen der Welt aus den Vereinigten Staaten und nur zwei aus Europa.

Welche Branchen sind im MSCI-World vertreten?

Die USA sticht klar hervor, wenn man sich die Aufteilung des MSCI World nach Ländern anschaut. Ein anderes, aber zugleich Ähnliches, Bild ergibt sich, wenn man den Index nach Branchen aufteilt. Hier ist zwar die Informationstechnik die größte Branche im Index, sticht jedoch nicht so dominant hervor, wie die USA beim Ländervergleich. Das die IT-Branche den größten Anteil im Index ausmacht wird auch wieder klar, wenn man sich die Liste der größten Unternehmen der Welt anschaut. Unter den Top zehn finden sich fünf Technologiefirmen, darunter Branchengrößen wie Microsoft, Apple, Amazon und Google.

Branchen im MSCI World

Die Darstellung verdeutlicht schön, dass ein Anleger, der in den MSCI World investiert, breit über verschiedene Branchen diversifiziert ist.

Was muss man bei der Auswahl eines Exchange Trades Fonds (ETF) beachten?

Wir haben uns bereits angeschaut, wie der MSCI World nach Länder und Branchen aufgeteilt ist. Zudem haben wir ihn von anderen MSCI-Indizes abgegrenzt. Jetzt stellt sich die Frage, wie man in den MSCI-World investiert, denn als Finanzdienstleister stellt uns MSCI nur den Index als Hülle zur Verfügung. Direkt investieren können wir erst über eine Fondsgesellschaft.

Insgesamt muss man fünf Kriterien bei der ETF-Auswahl beachten.

Fondsvolumen

Das Fondsvolumen gibt an, wie viel Anleger bereits in den ETF investiert haben bzw. wie viel Fondsanteile die Fondsgesellschaft an die Anleger ausgegeben hat. Hier gilt die Faustregel: size matters – je größer, desto besser. Zum einen weil bei einem großen Fonds das Risiko geringer ist, dass er vom Fondsanbieter geschlossen wird. Eine Schließung wäre schlecht für uns, da wir uns darum kümmern müssten, wie und wo wir das Geld erneut anlegen. Zum anderen weil der Fonds dadurch wahrscheinlich liquider an den Märkten ist. In stürmischen Zeiten sorgt eine hohe Liquidität dafür, dass wir unsere Anteile weiterverkaufen können und nicht darauf sitzen bleiben, weil sich kein Käufer findet. Als Faustregel gilt hier, dass das Fondsvolumen mindestens 500 Mio. USD/Euro betragen sollte.

Kosten

Die börsengehandelten Indexfonds (ETFs) sind günstiger als aktiv verwaltete Fonds, jedoch nicht umsonst. Im Schnitt liegen die Kosten zwischen 0,12 % p.a. und 0,50 % p.a, also deutlich unter einem Prozent pro Jahr. Es lohnt sich trotzdem die Preise zu vergleichen, gerade wenn man langfristig mit einer hohen Summe investiert sein will. Bei den Kosten gilt die Devise, dass breite Indizes, wie etwa der MSCI World, relativ günstig sind. Je spezifischer der Index, desto höher sind jedoch die anfallenden Kosten. Ausgewiesen werden die Kosten anhand der Gesamtkostenquote TER (engl. Total Expense Ratio). Die TER umfasst alle Kosten, die dem Fondsanbieter durch Auflage des Fonds entstehen.

Die Kosten werden pro Jahr ausgewiesen. Wer Beispielsweise 10 000 € in einen ETF mit einer TER von 3 % investiert, muss pro Kalenderjahr 300 € für die Verwaltung bezahlen.

Ertragsverwendung

Ertragsverwendung ist ein Sammelbegriff für den Einsatz der Mittel, die dem ETF zufließen. Wenn es sich wie beim MSCI World um einen Aktien-ETF handelt, schütten die Firmen, die sich im ETF befinden, eine Dividende aus. Grundsätzlich gibt es nun zwei Möglichkeiten, was der ETFs mit dem Geld machen kann: ausschütten oder thesaurieren. Ausschütten bedeutet, dass das Geld direkt auf das Konto der Anleger überwiesen wird. Der Investor muss sich dann darum kümmern, was mit dem Geld passiert. Thesaurierende ETFs legen das erhaltene Geld wieder in neue ETF-Anteile an, so bleibt das Geld im Fonds.

Steuerlich unterscheiden sich die beiden Ertragsverwendungsarten voneinander. Hier konsultiert man am besten einen Steuerberater.

Sparplanfähigkeit

Viele Depotbanken bieten die Möglichkeit, dass Du monatlich einen gewissen Betrag automatisch in den ETF investierst. Dies wird Sparplan genannt. Ob diese Möglichkeit bei Deiner Depotbank besteht, wird Sparplanfähigkeit genannt. Für viele Anleger ist dies ein wichtiges Kriterium, um sich nicht manuell mit der Geldanlage beschäftigen zu müssen. Da nicht jede Bank die gleichen ETFs im Sparplan anbietet, gibt es das Kriterium der Sparplanfähigkeit.

Sonstiges

Neben den genannten Kriterien gibt es noch weitere Unterscheidungsmöglichkeiten mit dem sich die ETFs differenzieren lassen. Dies sind beispielsweise die Replikationsmethode und der Tracking Error.

Vereinfacht gesagt gibt die Replikationsmethode an, ob der ETF die darin enthaltenen Wert tatsächlich kauft (physische Replikation) oder zwar den Index nachbildet, aber nicht unbedingt mit den darin enthaltenen Werten (synthetische Replikation).

Der Nachbildungsfehler (engl. „Tracking Error”) bezeichnet die Abweichung zwischen dem Indexfonds und dem Index (Benchmark). Der Tracking Error wird in Prozent angegeben und sollte möglichst klein sein. Je kleiner der Wert, desto besser wird der zugrunde liegende Index getroffen.

Ich habe diese beiden Kriterien absichtlich unter der Kategorie „Sonstiges” zusammengefasst. Ich bin mir über deren Existenz bewusst. Weiterhin will ich sie nicht verschweigen. Jedoch bin ich der Meinung, dass sie bei der ETF-Auswahl für den Anleger nur von sekundärer Relevanz sein sollten. Viel wichtiger ist es, einen breiten Index, wie den MSCI World, zu wählen und kein Nischenprodukt. Dieser Meinung bin außerdem nicht nur ich, sondern auch die Verbraucherzentrale.

MSCI World – welcher ist der Beste?

Welcher ETF der Beste ist, kann man so nicht sagen. Dies ist meiner Meinung nach mitunter eine persönliche Entscheidung. Sie hängt von den beschriebenen Gegebenheiten ab. Es spielen die Umstände wie z. B. die Steuersituation oder die Möglichkeit auf einen Sparplan bei der Hausbank eine wichtige Rolle bei der Entscheidung. Jedoch ist es wichtig, genannten Kriterien bei der Auswahl mit einfließen zu lassen.
Geht man jedoch nach einzelnen Kriterien, lässt sich schnell ein Sieger küren. Der größte ETF auf den MSCI World ist der iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc) mit einem Fondsvolumen von 17 Milliarden Euro. Begrenzt man die Auswahl auf die billigsten ETFs auf den MSCI World, sollte man sich für den Lyxor Core MSCI World (DR) UCITS ETF entscheiden. Er hat eine Gesamtkostenquote von 0,12 % und befindet sich damit am unteren Ende der Preisskala.