Öl Investment: wie investiere ich in Öl?

Öl Investment für Privatanleger: 3 Möglichkeiten zum investieren in Öl

Der 20.04.2020 wird in die Geschichte eingehen. Der Preis der US-Referenzölsorte West Texas Intermediate WTI schloss an der New Yorker Börse bei minus 37,63 Dollar je Barrel (159 Liter). Das texanische Öl fiel damit auf den tiefsten Stand seit 21 Jahren. Käufer des Kontrakts, der eine physische Öllieferung im Mai vorsieht, erhalten zum ersten Mal in der Geschichte Geld für die Abnahme des Öls. Schlechte Zeit für diejenigen, die ein Öl Investment getätigt haben. Grund für den Preissturz ist zum einen die Corona-Pandemie. Zum anderen sind aber auch die übervollen Erdöllager in den USA Mitschuld an der kuriosen Situation. Weiterhin hat ein Sondereffekt das Problem verschärft. Wie könnten sich Privatanleger die Situation zunutze machen und ein Öl Investment tätigen? Und welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, um in Öl zu investieren?

Sondersituation am Ölmarkt

Die angesprochene Sondersituation gestaltete sich wie folgt. Die Marktteilnehmer handeln mit Kontrakten, um an der Entwicklung des Preises zu partizipieren. Die Kontrakte (Futures) verpflichten den Käufer das Öl zu einem gewissen Zeitpunkt das Öl physisch entgegen zunehmen. Normalerweise verkaufen die Händler ihre Kontrakte vor dem Fälligkeitsdatum und kaufen einen neuen, der dann erst wieder im nächsten Monat fällig wäre. In Cushing, im US-Bundesstaat Oklahoma, befindet sich das Herz des nordamerikanischen Ölmarkts.

Aufgrund der geringen Nachfrage nach Treibstoff sind in den vergangenen Tagen viele Liter des schwarzen Golds dort in die dortigen Lager geflossen. Diese sind am Rande der maximalen Kapazität. Investoren die normalerweise ihre Kontrakte vor Fälligkeit verkaufen und den nächsten Kontrakt kaufen (in der Fachsprache “Rollen” genannt), finden aufgrund des Lagerengpasses aber keinen Käufer mehr für ihren Kontrakt. Denn der Käufer muss das Rohöl ja in Cushing physisch entgegennehmen. In der Stadt, in der die Öllager beinahe voll sind. Eine Situation, an der wenig Käufer wirklich interessiert sind, was zu den negativen Preisen geführt hat.

Für mutige Privatanleger, die davon ausgehen, dass der Ölpreis in Zukunft kein (Öl-)Fass ohne Boden ist, könnte die aktuelle Situation der perfekte Einstiegszeitpunkt sein. Aus meiner Sicht gibt es drei Möglichkeiten für den Privatanleger ein Öl Investment zu tätigen beziehungsweise von steigenden Ölpreisen zu profitieren.

Öl Investment Nr. 1: der Klassiker

Wer besonders einfach in Öl investieren will, beziehungsweise an der Preisentwicklung des Öls partizipieren will, der kann sein Geld bei den großen Mineralölkonzernen anlegen. Dies sind ExxonMobil, Royal Dutch Shell, BP, Chevron und Total. Zu Shell befindet sich hier eine kurze Analyse. Ein Vorteil bei dem Investment in Ölkonzerne ist, dass sie auch meistens eine üppige Dividende ausschütten. So kommen die Aktien der Konzerne speziell auch für Dividendenjäger infrage. Weiterhin Anteilsscheine im Handel sehr liquide und bieten so eine hohe Flexibilität, sollte man es sich mit dem Öl Investment doch mal anders überlegen. Allerdings gibt es auch eine Kehrseite. Die Aktien der Ölhersteller spiegeln nicht exakt die Entwicklung des Ölpreises wieder. Sie korrelieren zwar gut mit dem Ölpreis, eine genaue Abbildung des Preises bieten sie jedoch nicht.

Aussichtsreiche Aktien rund um das Öl

Weiterhin gibt es neben den Öl-Multis weitere spannenden Investmentmöglichkeiten in der Branche. Wir bereits dargestellt, sind die Öllager derzeit am Rande der Kapazitätsgrenze. Die Ölhersteller suchen folglich händeringend nach Möglichkeiten, ihr Öl zu lagern. Um das Öl nicht verschenken zu müssen und weitere Zeit zu gewinnen, können sie es auf Tankern lagern. Diese Super-Tanker (VLCCs – very large crude carriers) sind in der Lage mehrere Millionen Barrel Öl zu speichern. Folglich gelten die Reedereien, die diese Schiffe betreiben, als große Gewinner der aktuellen Situation. Anleger, die auf den Geschmack gekommen sind, sollten sich mal die Aktien von Frontline, Scorpio Tankers, International Seaways oder Diamond S anschauen.

NameLandWKNISIN
FrontlineNorwegenA2AD7BBMG3682E1921
Scorpio TankersMonacoA1CWBDMHY7542C1306
International SeawaysUSAA1CWBDMHY410531021
Diamond SUSAA2PF75MHY206761055
Öl Investment Nr. 2: Super-Tanker-Reedereien

Öl Investment Nr. 3: Öl-ETFs

Neben den Ölkonzernen und Aktien im Ölsektor, gibt es noch eine dritte Möglichkeit, in Öl zu investieren. Wer sein Geld breiter diversifizieren will, anstatt auf einzelne Aktien zu setzen, kann sich einen Öl-ETF ins Depot legen. Beispielsweise bietet iShares den MSCI World Energy Sector UCITS ETF an. Der zugrunde liegende Index ist der MSCI World Energy Index. In ihm sind 67 Firmen gebündelt, die in der Öl- und Gas-Branche tätig sind. Neben Exxon, sind auch Chevron, Total, BP und Shell im Index vertreten.

Fazit

Ja, der Ölpreise war negativ. Zu einer solchen Situation könnt es im Mai oder Juni wieder kommen. Mit einer solchen Schlagzeile lässt sich jedoch auch viel Aufmerksamkeit erregen. Dies sollten Anleger im Hinterkopf haben und sich nicht verunsichern lassen. Nach der Corona-Krise wird die Nachfrage nach Öl höchstwahrscheinlich wieder Rückenwind bekommen. Anleger könnten somit mit Einzelinvestments oder ETFs vom steigenden Ölpreis profitieren. Der Meinung, dass es höchstwahrscheinlich ein guter Zeitpunkt ist, um in Öl zu investieren, ist auch die amerikanische Regierung. Donald Trump sagte im Weißen Haus, nachdem erreichen des historischen Ölpreis-Tiefs, dass es “eine tolle Zeit [ist], Öl zu kaufen”.