Wirecard Aktie

Wirecard Aktie: Was ist nach dem KPMG-Bericht alles passiert?

Nach den Vorwürfen der Bilanzmanipulation und dem Bericht von KPMG ist es nicht ruhig geworden um die Wirecard Aktie. Insbesondere wird der Aufsichtsrat umgebaut und die vorläufigen Ergebnisse für das erste Quartal 2020 wurden veröffentlicht. Was bedeutet das für die Wirecard Aktie? Wir zeigen euch im Folgenden, was nach dem KPMG-Bericht passiert ist und ob es sich lohnt, jetzt in die Wirecard Aktie zu investieren.

Wirecard Aktie muss verspieltes Vertrauen zurückgewinnen

Hauke Stars kennt sich mit Digitalisierung aus. Die 1967 im ostdeutschen Merseburg geborene Managerin hat Informatik in Magdeburg studiert. Nach dem Mauerfall ergattert Sie ein Stipendium für eine Westuni, dass Sie in Coventry (England) mit einem Master of Science abschloss.

Nach dem Studium greif Stars wortwörtlich nach den Sternen. Ihre erste Station war bei Bertelsmann. Dort arbeitete Sie sich innerhalb von sechs Jahren bis zum Executive Assistant des Chief Information Officers der Bertelsmann AG hoch. Später folge ein Wechsel nach Essen zu Thyssen-Krupp. In Essen angekommen, baute die Managerin die IT-Tochter Triaton mit auf. Diese wurde später an HP verkauft. Bei HP wurde Sie anschließend Landeschefin für die Schweiz und die Niederlande, bis 2012 ein Übergang zur Deutschen Börse AG erfolgte. Seit 2012 ist die gebürtige Merseburgerin Mitglied des dortigen Vorstands. Neben einem Aufsichtsratsmandat beim Dax-Konzerns Fresenius SE & Co. KGaA sowie bei der Kühne + Nagel AG, wird Stars ein weiteres Aufsichtsratsmandat bei Wirecard annehmen. Dazu wird sie bei der nächsten Hauptversammlung (02.07.2020) zur Wahl vorgeschlagen.

Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann sagt dazu: “Ihre fundierten Kenntnisse professioneller Prozesse und Abläufe in international agierenden und börsennotierten Blue-Chip-Konzernen sowie ihre ausgezeichnete Expertise in IT- und Technologie-Themen werden unser Gremium bereichern“. In der gleichen Mitteilung kündigte Eichelmann an, dass der Aufsichtsrat um zwei weitere Personen erweitert werden soll.

Mit dem personellen Umbau und insbesondere durch die Vergrößerung des Vorstands könnte Wirecard verlorenes Vertrauen der Aktionäre zurückgewinnen. In den letzten Wochen ist die Wirecard Aktie stark unter Druck geraten. Insbesondere nach dem Desaster um die Sonderprüfung von KPMG haben sich Aktionäre reihenweise von der Wirecard Aktie verabschiedet. Inwiefern Frau Stars in der Vertrauenskrise helfen kann, bleibt abzuwarten. Es bleibt zumindest zu hoffen, dass sich die Wirecard Aktie durch die Verstärkung erholt.

Aufsichtsrat der Wirecard AG wird verändert

Am 1. Juli 2020 wird der Amerikaner Dr. James H. Freis (49) zum Compliance Vorstand bei Wirecard berufen. Für Freis wurde extra ein eigenes Resort mit dem Namen “Recht, Vertragswesen und Compliance” geschaffen, welches er verantworten wird. Freis kennt sich auf dem Gebiet aufgrund seiner Historie bestens aus. Denn schon seit 2014 ist der promovierte Rechtswissenschaftler Chief Compliance Officer der Deutschen Börse AG.

Wie von Aufsichtsratchef Thomas Eichelmann angekündigt, wir der Vorstand um zwei weitere Personen ergänzt. Zum einen wird ein Vertriebsvorstand hinzukommen und zum anderen wird ein Organisationsvorstand (COO). Mit welchen Personalien die Posten besetzt werden, ist noch nicht klar.

Interessant ist vor allem der COO-Posten. Er wird in Zukunft die Geschäfte der Tochtergesellschaften bündeln und koordinieren. Damit übernimmt er die Verantwortung für alle Kontinente, auf denen Wirecard tätig ist: Amerika, Europa, Mittlerer Osten, Afrika und Asien. Weiterhin übernimmt der neue COO auch das Personalwesen. Der bisherige COO und Schlüsselmanager Jan Marsalek wird entmachtet und verantwortet den Bereich Business Development. Vom bisherigen Finanzvorstand Alexander von Knoop übernimmt der neue COO das Personalwesen.

Der Umbau erscheint sinnvoll. Auf der einen Seite muss Eichelmann das Wirecard-Mastermind Braun an Board halten. Auf der anderen Seite muss er auf die Kritik der Investoren eingehen. Oft wird bei Wirecard bemängelt, dass die Firma wie ein Start-up geführt wird. Eichelmann stärkt jetzt die Kontrollen und baut das Management aus, um den Kritikern Einhalt zu gebieten. Die Aktionäre reagierten auf den Umbau zwar mit Zukäufen. Einigen Großaktionären ist die Umgestaltung jedoch nicht weitreichend genug.

Im Endeffekt dürften die Personalien eine wichtige Rolle für die Wirecard Aktie spielen. Weiterhin wird damit auch Wirecard-Visionär Markus Braun teilweise entthront. Inwiefern er sich das gefallen lassen wird, bleibt abzuwarten. Schließlich hat Braun die Firma zu dem gemacht, was sie heute ist. Ein Machtkampf scheint vorprogrammiert.

Vorläufiges Ergebnis Q1 2020

Am 14.05.2020 hat Wirecard die vorläufigen Zahlen für das erste Quartal 2020 vorgelegt. Nach den vorläufigen Zahlen hat sich der Umsatz der Aschheimer um rund 24 Prozent auf 700,2 Mio. EUR (Q1/2019: 566,7 Mio. EUR) erhöht. Wichtig ist, dass Braun die Prognose für das Jahr 2020 bestätigt. Es wird ein operativer Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in einer Bandbreite von 1,0 Mrd. EUR bis 1,12 Mrd. EUR erzielt werden.

Weiterhin bestätigt der Wirecard CEO, dass die Corona-Krise den Trend zum kontaktlosen Bezahlen befeuert. Außerdem spürt die Firma die Folgen von COVID-19. Das Airline/Travel Geschäft und wird dadurch negativ beeinflusst. Dies wird aber weitestgehend durch Zuwächse im Online-Geschäft kompensiert.