Wirecard Aktienanalyse

Wirecard Aktienanalyse: Aktie nach KPMG Bericht kaufenswert?

Es ist Mittwoch der 30. Januar 2019. Nach einem Bericht der Financial Times bricht die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard schlagartig um fast 25 Prozent ein. Doch was war passiert? Der erhobene Vorwurf seitens der renommierten Wirtschaftszeitung gegen Wirecard könnten kaum schlimmer sein: Bilanzmanipulation. Es folgt ein zäher Schlagabtausch zwischen den beiden. Neun Monate später, am 21.10.2019, kündigt Wirecard eine Sonderprüfung an, weil es zuvor erneut scharfe Vorwürfe seitens der Financial Times gegen Wirecard gab. Die Ergebnisse der Sonderprüfung wurden am 28.4.2020 vorgelegt. Seit dem Bericht sind nun ein paar Tage vergangen und eine Wirecard Aktienanalyse scheint aufgrund der historischen Ereignisse höchst spannend.

Im Folgenden wollen wir den Zahlungsdienstleister genauer unter die Lupe nehmen und eine Wirecard Aktienanalyse durchführen. Ist die Wirecardaktie nach den Vorwürfen vielleicht kaufenswert? Oder sollten Anleger lieber die Finger von der Aktie lassen? Was sollten Anleger tun, die vielleicht schon in Wirecard investiert sind? Diese und weitere Fragen werden nachfolgend in der umfassenden Wirecard Aktienanalyse beantwortet.

Wirecard Aktienanalyse: Quick Facts

  • 10 Milliarden Euro Börsenwert
  • Durchschnittliches Umsatzwachstum der letzten 5 Jahre: 33 %
  • Durchschnittliches EPS-Wachstum der letzten 5 Jahre: 30,6 %
  • KGV: ~15
  • PEG (Price-Earning to Growth-Ratio): ~0,67

Wirecard Aktienanalyse: das Unternehmen

Wie auch in der Analyse zum norwegischen Zuchtlachsproduzenten Mowi ASA, werden wir zunächst die Firma vorstellen und anschließend detaillierter die Aktie analysieren.

Wirecard: von der Gründung bis in den DAX

Die Wirecard AG (WKN 747206) wurde im Jahr 1999 in Aschhheim, nahe München, gegründet. Seit dem Jahr 2005 ist die Aktie an der Börse handelbar. Im Jahr 2006 war sie zunächst im Prime Standard gelistet. Ein Jahr später folgte jedoch schon die Aufnahme in den TecDAX. Pikant an der fulminanten Erfolgsgeschichte des Zahlungsdienstleisters aus Ascheim ist, dass Wirecard im September 2018 die Commerzbank AG aus der ersten Börsenliga, dem DAX, gedrängt hat. Quasi ein Wechseln der Generationen beziehungsweise ein Austausch des Digitalisierungs-Verschläfer gegen den Digitalisierungsexperten.
Die Geschwindigkeit mit der Wirecard in den deutschen Leitindex aufgestiegen ist, ist folglich enorm. Ein anderer großer Techgigant im DAX, die SAP aus dem badischen Walldorf, wurde beispielsweise schon im Jahr 1972 gegründet, jedoch erst 1995 in den DAX aufgenommen.

Der wichtige Mann hinter der Firma

An der Spitze von Wirecard steht seit 2002 der promovierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften Markus Braun. Der ehemalige KPMG-Projektmanager hält zudem auch die Position des technischen Direktors inne. Das Mastermind hinter der Rekordfirma hat das Unternehmen in den letzten Jahren zum Erfolg geführt. Schon früh identifizierte Braun, der zusätzlich ein studierter Wirtschaftsinformatiker ist, das Trendthema der Zahlungsmöglichkeiten im Internet.
Gemein hat er mit anderen Visionären an der Konzernspitze eines Technologieunternehmens jedoch nicht nur den Rollkragenpullover und das frühzeitige erkennen von Zukunftstrends, sondern vielleicht auch den ein oder anderen Wesenszug. Einige seiner Vertrauten schreiben ihm einen „autistischen Zug“ zu. Damit befindet er sich also in bester Gesellschaft zu Microsoft-Schöpfer Bill Gates und Facebook-Erschaffer Mark Zuckerberg.

Die Firma um Dr. Markus Braun zählt zu den am schnellsten wachsenden deutschen Unternehmen. Doch mit was verdient überhaupt Wirecard sein Geld? Das wollen wir im folgenden Absatz beleuchten.

Wirecard Aktienanalyse: das Geschäftsmodell

“Wirecard ist ein globaler Innovationstreiber in der Digitalisierung von Zahlungsprozessen.“

Dr. Markus Braun, CEO von Wirecard

Die Corona-Krise hat für ein Umdenken gesorgt. Anstatt mit Bargeld zu bezahlen, nutzen viele Menschen die Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens. Die Krise könnte gar als Brandbeschleuniger für den langjährigen Trend dienen. So nimmt zwar der Anteil der Kartenzahlungen seit Langem zu, allerdings nicht sonderlich schnell. Wirecard könnte einer der Profiteure der Krise sein. Denn Wirecard kümmert sich um die Umsetzung dieser und anderer Bezahlmöglichkeit und verdient an ihr mit. Das damit verbundene Geschäftsmodell hat zwei Seite.

Umsatzverteilung von Wirecard nach Geschäftsbereichen, Zahlen von 2018

Issuing: Herausgabe von Karten

Die erste Seite ist das sogenannte Issuing. Damit ist gemeint, dass Wirecard im Auftrag der Banken Karten heraus gibt beziehungsweise deren technische Abwicklung übernimmt. Bei jeder Zahlung bekommt Wirecard ein Teil des Zahlungsbetrags. Bei EC-Karten sind es 0,2 Prozent und bei Kreditkarten sogar 0,3 Prozent. Dieser Vorgang, welcher eben Issuing genannt wird, ist die eine Seite dieses Geschäftszweiges.

Acquiring: Abwicklung von Zahlungen

Die zweite Seite ist das Acquiring. Wenn Wirecard auf der Seite des Händlers die Zahlungen für den Händler abwickelt, verlangt Wirecard dafür wieder eine Gebühr. Diese Gebühr wird später vom Zahlungsbetrag einbehalten. Die Höhe der Gebühr ist Verhandlungssache zwischen Wirecard und dem Händler. Meist liegt sie jedoch höher als beim Issuing-Geschäft.

Zusammenfassend sorgt Wirecard also in diesem Geschäftszweig dafür, dass die Karte des Käufers problemlos funktioniert. Wirecard stellt zudem die Infrastruktur her, dass der Verkäufer eine Kartenzahlung anbieten kann. Der weitaus größere Geschäftsbereich ist jedoch ein anderer. Der überwiegende Anteil des Konzernumsatzes wird nämlich durch das Anbieten von Zahlungsmöglichkeiten und Prozessen im Internet generiert.

Der größte Geschäftszweige

Dieser Geschäftsbereich nennt sich Payment Processing & Risk Management. Anbieter von Waren und Dienstleistungen im Internet benötigen eine Bezahlmöglichkeit für den Kunden. Die Händler können ihre elektronischen Bezahlmöglichkeit und Prozesse an die Wirecard AG auslagern. Die AG kümmert sich dann um die Abwicklung der Zahlung und dem Risikomanagement. Letztendlich kann sich der Händler voll und ganz auf seinen Kernbereich fokussieren und Wirecard kümmert sich um die Akzeptanz, die Durchführung und die Verarbeitung der Zahlungsvorgänge. Hier übernimmt Wirecard eben auch das Risikomanagement für den Kunden. Die Transaktion könnte vorher geprüft werden, um einem möglichen Betrug entgegenzuwirken.

Zu den Kunden von Wirecard zählen große Namen wie Aldi oder Ikea. Der ein oder andere wird mit Sicherheit schon mal dort etwas online bestellt und bezahlt haben. An einer solchen Transaktion hat Wirecard am Ende mitverdient.

Wirecard Aktienanalyse, Kunden von Wirecard.
Kunden von Wirecard, Quelle: Präsentation Q1 2019

Wirecard Aktienanalyse: Konkurrenz und Marktposition

Wirecard hat in den einzelnen Geschäftsbereichen viele Konkurrenten. Im Payment Processing, dem quasi Bindeglied zu den Acquirern, gibt es über 900 Stück. In Deutschland sind dies beispielsweise Concardis oder Klarna (Sofortüberweisung). Weiterhin gibt es noch heidelpay, PayPal Plus oder Computop. Im Folgenden wollen wir kurz die einzelnen Anbieter umreißen.

Klarna, PayPal und Computop

Klarna ist vor allem auf den Rechnungskauf spezialisiert. Seinen Kunden bietet Klarna jedoch auch viele weitere Zahlungsmöglichkeiten an, wie beispielsweise eine Ratenzahlung.

Das Angebot von PayPal Plus differenziert sich von Klarna. So bietet PayPal Plus nur vier Zahlungsmöglichkeiten an. Dieses minimalistisch wirkende Portfolio deckt jedoch die beliebtesten Zahlungsmöglichkeiten ab, darunter natürlich auch PayPal an sich.

Computop aus Bamberg kann vom Angebot her mit Wirecard mithalten. So bietet sie über 350 zahlarten für ihre Kunden an. Zu den Kunden der Bamberger gehören sogar Branchengrößen wie C&A und die Otto Group.

Heidelpay und Concardis

Heidelpay wildert auch auf dem Markt der Payment Service Provider beziehungsweise im Payment Processing. Wie auch Computop hat heidelpay bereits namhafte Kunden wie Euronics oder die Süddeutsche Zeitung für sich gewonnen. Dies liegt wahrscheinlich mitunter an der großen Auswahl der Zahlungsmöglichkeiten.

Concardis punktet auch mit einer großen Anzahl an Zahlungsmöglichkeiten. Im Gegensatz zu Wirecard schützt Concardis den Händler aber nicht vor einem eventuellen Zahlungsausfall.

Die oben aufgelisteten Zahlungsdienstleister sind aber nicht die direkten Konkurrenten von Wirecard. Was das Geschäftsmodell betrifft, ist dies eigentlich Adyen

Wirecard Aktienanalyse: Konkurrent Adyen

Das Geschäftsmodell der niederländischen Firma Adyen (WKN: A2JNF4) ist fast identisch mit dem von Wirecard. Das Kernprodukt beider Firmen ist eine digitale Plattform zur Abwicklung von Zahlungen. Auch beim abgewickelten Transaktionsvolumen steht Wirecard Adyen in wenig nach. Adyen wickelte im Jahr 2018 Zahlungen in Höhe von 159 Milliarden Euro ab, Wirecard im selben Jahr 125 Milliarden Euro.
Die Unterschiede zwischen den beiden Firmen sind also marginal und man muss sich schon sehr tief mit der Materie befassen, um etwas zu finden.

Ein Unterschied zwischen Adyen und Wirecard betrifft die Datenanalyse- und Zahlungsabwicklungs-Tools. Für große Handelsplattformen wie Ebay, Etsy oder Airbnb besitzt Adyen eine besondere Lösung, um die Transaktion an die Marktplatzhändler durchzuführen. Hier gelten strenge regulatorische Anforderungen, welche von der Lösung erfüllt werden.

Dagegen bietet Wirecard das sogenannte “White label couponing” an. Wirecard ermöglicht es damit seinen Kunden, Gutscheinprogramme zusätzlich zum Bezahlvorgang abzuwickeln. Folglich wird die Kundenbindung erhöht und es werden damit hoffentlich die Umsätze gesteigert.

Weiterhin benötigt Wirecard, für ein ähnlich Transaktionsvolumen wie Adyen, viel mehr Kunden. Das dürfte daran liegen, dass die Kunden von Adyen eher die großen Marken sind. Die Kunden von Wirecard sind dagegen eher kleinere Onlineshops mit geringerem Umsatz.

Die Kunden von Adyen sorgen auch zu einer geographischen Differenzierung zwischen den beiden Firmen. Adyens Kunden kommen verstärkt aus den USA, sodass Adyen, neben Europa, eher in Richtung USA expandiert. Wirecards Kunden kommen dagegen vermehrt aus Asien, wo, neben Europa, auch ein Schwerpunkt liegt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Adyen sehr spezialisiert auf bestimmte Kunden ist. Wirecard ist dahingegen breiter aufgestellt. Thomas Borgwerth hat die Unterschiede noch umfassender für finanz-szene.de herausgearbeitet.

Wirecard Aktienanalyse: Konkurrent Worldline

Der Name Worldline (WKN A116LR) dürfte nur Branchenkennern etwas sagen. Das französische Unternehmen ist so etwas wie der dritte große Player im Bunde und ein Konkurrent zu Wirecard. Seit 1973 sind die Franzosen aktiv. Mittlerweile gehören sie zum IT-Gigant Atos.

Konzerttickets kaufen oder über einen Internetshop Möbel erwerben. All das funktioniert problemlos, dankt der Technik von Worldline. Ohne bewusst solche Prozesse mit der Marke Worldline zu assoziieren, dürften schon viele damit bezahlt haben. Denn hinter solchen und ähnlichen Dienstleitungen steckt das Know-how von Wordline. Ähnlich wie Wirecard auch stellt Wordline die komplette Infrastruktur für Online- sowie Offline-Bezahlvorgänge.

Wichtig ist jedoch auch zu erwähnen, dass Wordline sich nicht nur um die Zahlungsabwicklung von Online-Shops kümmert. Vielmehr bietet Worldline auch Lösungen für Bereiche aus unserem täglichen öffentlichen Leben an. Ein Beispiel dafür ist ein von Worldline entwickeltes System für den Nahverkehr. Mit nur einer App seines örtlichen Verkehrsverbundes kann der Kunde künftig ein Ticket auch außerhalb seines Verkehrsverbundes kaufen. Eine früher übliche Mehrfachregistrierung entfällt. Weiterhin bietet Worldline u. a. auch viele Zusatzservices für Banken an. Diese ermöglichen dem Kunden die Finanzplanung in seinem Bankaccount.

Worldline hat zuletzt durch einen Zukauf auf sich aufmerksam gemacht. Im Februar 2020 gab Worldline bekannt, den französischen Konkurrenten Ingenico zu übernehmen. Worldline erweitert dadurch seinen Kundenstamm um etwa 400 000 Kunden. Ingenico kümmert sich u. a. die Transaktionen für Zalando oder notebooksbilliger.de. Offline ist der Discounter Lidl ein Kunde. Spätestens also jetzt sollte der ein oder andere schon mal mit den Produkten von Worldline in Kontakt gekommen sein.

Wirecard Aktienanalyse: der KPMG-Bericht

Der KPMG-Bericht zur Sonderprüfung bei Wirecard war mit Spannung erwartet worden. Auf 74 Seiten geben die Wirtschaftsprüfer von KPMG einen Einblick in die Geschäfte des Zahlungsabwicklers. Das Positive am Bericht ist, dass KPMG keine Belege für eine mögliche Bilanzfälschung von Wirecard gefunden hat. Jedoch haben sich vier Kritikpunkte aus dem Bericht herauskristallisiert.

Umsätze zu hoch im Dritt-Partnergeschäft

Vorwurf: Wirecard arbeitet mit Partnern und Töchtern in Ländern zusammen, für die keine eigene Lizenz zur Verfügung steht. Über diese wickelt der Konzern dort den Zahlungsverkehr ab. Der Vorwurf in den verschiedenen Medienberichten lautete, dass Wirecard etwa die Hälfte des Unternehmensgewinns mit nur drei Partnern erzielt habe. Die Financial Times hat wiederum die Kunden von Wirecard, die über einen Drittpartner abgewickelt wurden, kontaktiert. Dabei ist die Financial Times auf Unstimmigkeiten gestoßen. Zur Diskussion steht eine Summe von etwa einer Milliarde Euro.

KPMG: Die Prüfer von KPMG konnten jedoch weder belegen, dass die Umsatzerlöse existieren, noch das sie nicht existieren. Insbesondere wirft KPMG Wirecard eine fehlende Bereitschaft vor, an der Sonderprüfung mitzuwirken. Hinzu kommt noch, dass, laut KPMG, Drittpartner auch nicht bereit waren, mitzuwirken.

Merchant Cash Advance Business

Vorwurf: Wenn ein Kunde eine Bestellung im Internet aufgibt und per Rechnung bestellt, erhält der Händler das Geld nicht sofort. Vielmehr muss er ein paar Tage warten, bis das Geld auf dem Konto eingeht. Im Merchant Cash Advance Business streckt Wirecard dem Händler das Geld quasi vor. Der Händler kann nun mit dem Geld schon weiterarbeiten, anstatt auf den Zahlungseingang zu warten. Wirecard verlangt dafür eine Gebühr. Dieses Geschäftsmodell nennt sich Merchant Cash Advance.

KPMG: Laut den Vorwürfen wurde das Kreditvolumen dieses Geschäfts nicht korrekt und transparent dargestellt. KPMG konnte die Vorwürfe entkräften und Wirecard entlasten.

Kreislaufbuchungen

Vorwurf: Die Vorwürfe der Financial Times sind zudem sogenannte Kreislaufbuchungen, mit dem Zweck der “Bilanzkosmetik”. Außerdem sollen Verträge zurückdatiert worden sein und Umsätze sollen als zu hoch ausgewiesen worden sein. Alles mit dem Hintergrund, die Bilanz zu verbessern.

KPMG: KPMG konnte hierzu keine weiteren Feststellungen machen, die über das hinaus gehen, was vorher schon bekannt war. Ein Punkt, der für Wirecard spricht, da zuvor schon eine unabhängige Überprüfung stattgefunden hat. Diese Überprüfung konnte keine Kreislaufbuchungen feststellen.

Indien

Vorwurf: Hier wurde von der Financial Times die Kaufpreishöhe eines in Indien erworbenen Unternehmens kritisiert und in Frage gestellt. Ein möglicher Hintergrund sollen wieder Kreislaufbuchungen seitens Wirecard sein, um die Bilanz zu verschönern. Genauer gesagt hat ein Fonds im Jahr September 2015 eine indische Firma für ca. 40 Millionen Euro gekauft. Nur einen Monat später hat Wirecard dieses Unternehmen für 326 Millionen Euro gekauft, um den Markteintritt in Indien zu ermöglichen.

KPMG: KPMG konnte diese Vorwürfe nicht abschließend klären.

Wirecard Aktienanalyse: Fazit

Anleger müssen sich an dieser Stelle Gedanken machen, ob noch ausreichendes Vertrauen in das Geschäftsmodell und das Management von Wirecard besteht. Wie kann es beispielsweise sein, dass man, bei einer anstehenden Sonderprüfung nicht richtig mitwirkt? Unserer Meinung nach sollte eine Firma in einer solchen Situation alles Mögliche dafür tun, um die Ermittlungen zu beschleunigen und das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Darüber hinaus sollte man nur in Firmen investieren, bei denen das Management integer ist. An der Integrität des Managements lässt sich, angesichts des Berichts von KPMG, zweifeln.

Zwar hat Wirecard inzwischen reagiert und den Vorstand umgekrempelt. So wurde zum 1.Juli 2020 ein Ressort “Integrity, Legal and Compliance” gegründet. Ob das genügt bleibt abzuwarten und darf angesichts der Historie bezweifelt werden.

Auf der anderen Seite sind die historischen Ereignisse schon eingepreist. Sollten sich die Vorwürfe entkräften, dürfte der Wirecard-Kurs wieder zurück in alte Höhen schnellen. Dies könnte bereits am 18. Juni 2020 geschehen, dort soll der Jahresbericht 2019 veröffentlicht werden. Anleger die jedoch noch nicht investiert sind, sollten sich jedoch den Wirecard-Konkurrenten zumindest anschauen.

Wer sich nicht am Ende nicht für einen Zahlungsdienstleister entscheiden kann, für den ist vielleicht der iShares-Digitalisation-UCITS-ETF (WKN: A2ANH3). In ihm ist neben Adyen auch Worldline geführt.